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Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren aus dem Meer: Notwendig und sinnvoll?  

Vor 30 Jahren lernten sich Fritz Bebie, Präsident des Beirates von fit for flow und Sigrid Lüber beim Tauchen kennen. Nun haben sich ihre Wege wieder gekreuzt. Aus unterschiedlichen Perspektiven ist Ernährung heute für beide ein Thema. Sigrid Lüber engagiert sich als Präsidentin der Schweizer Organisation OceanCare für den Schutz der Ozeane. Im Interview mit Fritz Bebie nimmt sie Stellung zum Thema Omega-3.  

FB: Immer mehr Menschen verzichten auf Fleisch, essen dafür aber mehr Fisch. Washältst Du von dieser Entwicklung? 
SL: Wenn dafür mehr Meeresfisch gegessen wird, macht dies keinen Sinn, denn mehr als 80 Prozent aller kommerziell genutzten Fischbestände sind bis ans Limit befischt, überfischt oder erschöpft. Grosse Raubfische wie Kabeljau oder Thunfisch sind bereits so selten wie der Panda und auch die Bestände kleinerer Räuber wie Makrele oder Hering sind erschreckend geschrumpft. Grund genug, den Konsum einzuschränken. Doch das Plündern der Ozeane geht weiter. Immer kleinere und unbekanntere Fische landen auf unserem Teller, während den Meerestieren – allen voran Walen und Delphinen – die Nahrung ausgeht.  

Nahrungsergänzung liegt im Trend. Brauchen wir Omega-3-Fettsäuren aus Krill- und Fischöl?    
Omega-3-Fettsäuren sind wichtige Bestandteile der Zellwände und des Gehirns und müssen mit der Nahrung zugeführt werden. Zunehmend wird dies mit Ergänzungsmitteln aus dem Öl von Meerestieren getan, welche die mehrfach ungesättigten Fettsäuren Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) enthalten. Auf solche Ölekann man aber verzichten und sollte dies aus ökologischen Gründen auch tun. Studienzeigen, dass nicht in erster Linie mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren, sondern eine gesündere Ernährung insgesamt gesundheitsfördernd ist. Heute werden derart viel hoch verarbeitete Produkte und so wenig frisches Obst und Gemüse konsumiert, dass das Verhältnis von Omega-3-Fettsäuren (tendenziell entzündungshemmend) zu Omega-6-Fettsäuren (tendenziell entzündungsfördernd) inder Ernährung bei durchschnittlich 1:25 bis 1:50 liegt. Dies ist meilenweit vom Verhältnis 1:1 bis 1:2 entfernt, an das wir genetisch angepasst sind. 

Was, wenn jemand nicht bereit oder nicht imstande ist, die Essgewohnheiten zuändern?
Dann kann auf Algenöl ausgewichen werden, welches eine geeignete Alternative zu Krill- und Fischöl ist. Algen sind – auch für Fische und Krill – die ursprüngliche Quelle für DHA und EPA. Im Gehalt an ungesättigten Fettsäurensteht Algenöl tierischen Ölen und fetten Fischen in nichts nach. Zudem ist es schadstofffrei und ökologisch unbedenklich, denn es lässt, die Meere und deren Bewohner unberührt.

Gibt es Fische, die wir heute noch bedenkenlos konsumieren können?   
Beim Fisch sollten wir uns auf Arten aus einheimischen Gewässern oder biozertifizierten Zuchten beschränken. In der Schweiz sind die Tierschutzbestimmungen sehr streng und die Fischerei entsprechend nachhaltig. Soll es trotzdem einmal importierter Meerfisch sein, dann bitte nur aus nachweislich nachhaltigem Fang.